Autor: Henry Gehrmann

  • 52. Bad Lobensteiner Ruder-Regatta

    52. Bad Lobensteiner Ruder-Regatta

    Am 14. und 15. Juni 2026 fand die 52. Bad Lobensteiner Ruder-Regatta auf dem idyllischen Bleilochstausee in Thüringen statt und der RRV war zum ersten Mal dabei.

    Der RRV ging mit einem Männer-Achter, einem Männer-Vierer, Zwei Männer-Zweiern, sowie einem Mix-Zweier und zwei Männer-Einern an den Start. Die Bedingungen auf der zwischen den Hängen der Bleilochtalsperre gelegenen Strecke waren alles andere als sommerlich und bei wechselhaftem und relativ kühlem, windigem Wetter mit zum Teil starken Böen von Steuerbord technisch anspruchsvoll.

    Samstag

    Am Samstag standen die 1000m-Distanzen auf dem Programm. Den Auftakt bildeten die beiden Männer-Doppelzweier mit Herman Köppen und Jonathan Röglin, sowie Fabian Schütte in Renngemeinschaft mit Hagen Helms (BRC Ägir). Die Renngemeinschaft erzielte den 1. Platz und sorgte somit für einen fantastischen Start in das Regattawochenende. Passend zum Thüringer Schiefergebirge bestanden die Medaillen aus kleinen Schieferplatten.

    Schwieriger gestalteten sich dagegen die Rennen des kurzfristig aufgestellten Männer-Vierer ohne St. und der Männer-Einer die im Kampf um die vorderen Plätze zwar nicht mitspielen konnten, aber dafür wertvolle Renn-Erfahrung sammeln konnten.

    Am späten Nachmittag stand das Pokal-Rennen der Achter an. Der Gegner war die Wurzener Rudervereinigung Schwarz-Gelb e.V. Der Männer-Achter des RRV ging in Renngemeinschaft mit dem Pirnaer RV und der RR Turngemeinde Berlin an den Start. Das Rennen begann vielversprechend mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen, doch der Wurzen-Achter konnte sich 400m vor dem Ziel absetzen und gewann das Rennen. Doch das war nicht die letzte Begegnung dieser Boote an diesem Tag, denn im Abendlicht fand als Highlight des Tages der Sprintcup der Männer-Achter über eine Distanz von 350m statt. Auch bei diesem Rennen verpasste der RRV mit knapp unter einer Sekunde leider den Sieg.

    Sonntag

    Am Sonntag traten dieselben Mannschaften nochmal auf der 500m Distanz an. Die Renngemeinschaft im Männer-Doppelzweier verpasste seinen zweiten Sieg an diesem Wochenende haarscharf mit einem Rückstand von 0,81 Sekunden und wurde Zweiter.

    Der Mix-Zweier und die Männer-Einer lieferten sich in ihren Rennen ebenfalls harte Kämpfe mit der Konkurrenz.

    Zum Abschluss der Regatta stand noch einmal der RRV-Achter am Start, dieses Mal gegen zwei Gegner, den Wurzener RV und die Renngemeinschaft RV Triton Leipzig / SC DHfK Leipzig / ARV zu Leipzig. Nach dem Start lag der RRV-Achter lange auf dem Zweiten Platz, jedoch gelang es der Renngemeinschaft sich ca. 200m vor dem Ziel vorbeizuschieben.

    Mit zwei Medaillen und vielen Erfahrungen im Gepäck ging es am Sonntagabend wieder zurück nach Berlin. Wir bedanken uns beim Ruderverein Bad Lobenstein für die Ausrichtung und Organisation dieser Regatta und freuen uns aufs nächste Jahr!

    von Herman

  • Eine Maifahrt, die ist lustig

    Eine Maifahrt, die ist lustig

    Ein kurzer Bericht zur traditionellen Maifahrt im Mai 2026 beim RV Richtershorn. Und der Schreiberling ist der einzige, der nicht von Riho kommt.

    Lange vor dem 1. Mai wurde abgefragt, wer denn alles zur Maifahrt mitkommen würde. In 2025 kamen ja etliche Boote zusammen und damit eine recht große Truppe. Dieses Jahr nun ganz anders. Unmittelbar vor Start reduzierte sich die Zahl der Ruderer auf fünf. Somit also nicht mal mehr zwei gesteuerte Zweier, es blieb ein gesteuerter Vierer.

    Bereits in den Vorjahren wurde diese Wanderfahrt abgerüstet. Es gibt kein Zelten mehr, auf allen Etappen werden feste Unterkünfte organisiert. Das vereinfacht einige Vorbereitungen und den Ablauf. Es wird nur noch der Fahrtproviant benötigt und die Kochutensilien entfallen. Ebenso entfallen die Zelte, zusätzliches Mobiliar (Tische, Stühle usw.) und andere Ausrüstung. Damit weniger Gepäck und auch Boote mit weniger Stauplatz sind möglich.

    Auch in diesem Jahr sollten die Etappen so ablaufen wie schon im Jahr davor. Am Tag 1 von Riho bis zur Jugendherberge am Köthener See. Tag 2 von dort nach Beeskow, Übernachtung im Boootshaus (wird so geschrieben). Tag 3 von Beeskow nach Fürstenwalde, diesmal Übernachtung beim Ruderverein. Tag 4 dann zurück nach Hause. Alles in allem 185 km in vier Tagen, die tatsächlich nicht ohne sind. Aber jede Menge Natur pur…

    Pünktlich am 1. Tag ging es spät los, wie immer. Obwohl die ersten schon um 8:00 im Bootshaus eintrafen, es wurde später Vormittag, bis es los ging. Und es war sehr kalt am Morgen, nur drei Grad! Dafür aber Sonne (und für alle Tage kein Regen vorausgesagt!).

    Die Konstellation mit dem gesteuerten Vierer brachte es, dass das gesamte Team immer zusammen in einem Boot war. Keine Verlosung der Boote mehr, blieb nur noch die Einteilung zum Steuern, die sich bis zum Schluss auch fair geregelt hatte.
    Schleuse Neue Mühle ging fix, auf dem Wasser nichts los. Weiter nach Dolgenbrodt. Kein Essen bei Kober. Dafür kommen wir im Fährhaus unter. Und es ist schon ziemlich am Nachmittag… Dann nach Prieros zur Schleuse. Und ja, bitte in Hermsdorf Bescheid geben, dass wir noch kommen! Geisl meint, wir wären in 40 min da…
    Hermsdorfer Mühle rechtzeitig erreicht, passt. Weiter nach Märkisch Buchholz, dort zweimal hintereinander mit dem Boot über die Schurre. Alle Mann und nur ein Boot, geht fix. Zu Schluss über den Umflutkanal zum Köthener See. Und ja, es ist wieder dunkel. Aber wir haben Vollmond! Und das Wasser ist leer, es ist noch nicht der 1. Mai.
    In der Jugendherberge finden wir diesmal unsere Proviantpäckchen, und so gibt es noch ein „Spätstück“.

    Am nächsten Tag geht es nach Beeskow. Vor uns ein Vierer mit einer Mannschaft aus Dinslaken, das Boot von Lok geborgt. Diese Mannschaft werden wir jetzt jeden Tag mehrfach sehen und treffen. Umtragen in Alt-Schadow, die Schleuse ist dicht. Dafür gibt es da jetzt einen privaten Bootswagen. Weiter nach Beeskow. Auf dem Wege finden wir keine Einkehrmöglichkeit. Letztlich landen wir wieder beim Netties Fischimbiss in Trebatsch. Danach dann noch den traditionellen (An)Badestopp hinter der Fähre Leißnitz, um abends in Beeskow anzukommen.

    Im Boootshaus treffen wir die Damenriege von Riho, diesmal auf Fahrradumfahrt. Und die Ruderer aus Dinslaken.

    Am nächsten Tag nach Fürstenwalde. Über die sehr schöne Drahendorfer Spree. Wir lassen uns Zeit. Und so braucht es seine Zeit. Die Schurre am Nadelwehr ist defekt. Wir müssen noch einmal umtragen, und das ist hier etwas schwieriger. Keine guten Möglichkeiten das Boot zu Wasser zu lassen, aber wir schaffen das. Auf geht’s nach Berkenbrück, dort wartet Chrisi auf uns! (Ja, wir haben für diese Etappe einen Landdienst!). Einkehr im Strandidyll. Wir sind spät und entscheiden uns gegen eine mögliche Schleusung in Fürstenwalde. D.h. in Fürstenwalde noch einmal die Schurre. Und danach Treffpunkt am Ruderverein, wir können das Bootshaus benutzen und schlafen im Bungalow daneben. Chrisi hat uns die Schlafsäcke und das Frühstück für den Sonntag mitgebracht und bleibt bis dahin auch bei uns.

    Am Sonntag dann die letzte Etappe, von Fürstenwalde zurück nach Hause. An der Großen Tränke noch einmal schurren und wir sind wieder auf der Spree. Die Strömung hält sich in Grenzen, aber wir kommen gut voran. Irgendwo hinter Hartmannsdorf suchen und finden wir eine geeignete Badestelle. Und so gibt es ein Bad in der Spree. Danach endlich die erwartete Autobahnbrücke und dann die Rast am Zeltplatz, heisst jetzt „Nussknacker“. Nach einer Stärkung die letzte Etappe über Dämeritz- und Seddinsee zurück in den Heimathafen. Die „Rübezahl“ gründlich säubern und die Tour 2026 ist vorbei.
    Und es war wieder eine sehr schöne Tour. Anstrengend (wie jedes Mal…), mit Nachtrudern (wie jedes Mal…), mit Gelassenheit und späten Ankünften (wie jedes Mal…), gute Stimmung (wie jedes Mal…), tolle Pausen (wie jedes Mal…) und unglaublich viel Natur (wie jedes Mal…).

    Danke allen, die zur Orga beigetragen haben. Insbesondere Frank (für die Verpflegung, die er selber gar nicht mitnutzen konnte…) und Chrisi für den tollen Landdienst, der diese Etappe so viel einfacher gemacht hat! Und danke dem gesamten Team für diese tolle Erfahrung und die gute gemeinsame Zeit – danke an Uwe, Stefan, Thommes, Andreas und Peter.

    Peter Poers (Rudergemeinschaft Rotation)

  • 128. Bernburger Ruderregatta

    128. Bernburger Ruderregatta

    Am Wochenende vom 1. bis 3. Mai waren wir in Bernburg und haben dort ein rundum gelungenes Wochenende verbracht. Unser Trainer Jakob Gehrmann und sein Bruder Henry konnten dabei gleich zwei Siege für sich verbuchen. Eine starke Leistung, über die wir uns natürlich sehr gefreut haben.

    Am Samstag sicherten sich Frances und Jolina den zweiten Platz im Rennen der A-Juniorinnen. Zusammen mit Tessa und Zoe überzeugten sie zudem im Doppelvierer mit einem starken zweiten Platz. Am darauffolgenden Tag ging abermals der Doppelvierer an den Start. Da wir einen kurzfristigen Ausfall hatten, gründeten wir kurzerhand eine Renngemeinschaft mit dem Wurzener RV. Trotz der ungewohnten Besetzung konnten wertvolle Erfahrungen im Rennen gesammelt werden.

    Die Anlage war schön gelegen und bot ideale Bedingungen, sodass wir uns nicht nur sportlich, sondern auch als Team sehr wohlgefühlt haben. Besonders die gemeinsame Zeit abseits des Wettkampfs hat dazu beigetragen, unser Vereinsgefühl weiter zu stärken.

    Wir haben die Zeit in Bernburg sehr genossen und freuen uns schon jetzt darauf, wiederzukommen.

    von Clara

  • Eine wahnwitzige Idee wurde war und ein Traum erfüllte sich

    Eine wahnwitzige Idee wurde war und ein Traum erfüllte sich

    Im hohen Norden von Jokkmokk, dort wo die Winter nicht einfach kalt, sondern episch sind, wo die Landschaft in endloses Weiß gehüllt ist und die Stille selbst Ehrfurcht einflößt, findet ein Skirennen statt, das mehr Legende als Sport ist: das Nordenskiöldsloppet. Dieses Rennen ist kein gewöhnlicher Wettkampf. Es ist eine Zeitreise zurück in das Jahr 1884, als der Polarforscher Adolf Erik Nordenskiöld seine Expeditionsteilnehmer gegeneinander antreten ließ, um zu beweisen, dass Menschen unfassbare Distanzen auf Skiern bewältigen können. 220Km in 21:22 Stunden betrug damals die Siegerzeit. Seit 2016 treten moderne Abenteurer an, um genau das Gleiche zu beweisen nur mit etwas besserer Ausrüstung und genauso viel Wahnsinn.

    220 Kilometer. Zweihundertzwanzig!
    Das ist keine Strecke, das ist eine Lebensentscheidung.

    Der Start in Jokkmokk:

    Am Start standen Sie: durchtrainierte Athleten, Hobbyfahrer mit zu viel Selbstvertrauen und mindestens drei Leute, die eigentlich dachten, sie hätten sich für einen gemütlichen Winterausflug angemeldet. Die Stimmung? Euphorisch. Die Gesichter? Noch optimistisch. Die Zukunft???
    Dunkelheit liegt noch über dem Land. Die Luft ist so klar, dass jeder Atemzug wie Glas wirkt. Die Startlampen im Startgarten flackern wie Sterne auf der Erde. Die Teilnehmer stehen bereit – konzentriert, angespannt, und irgendwo zwischen Vorfreude und stillem Zweifel.

    5 Uhr morgens und es geht los. Es wird nicht gerammelt, wie bei anderen Massenstarts, es ist eher entspannt und sehr ruhig. Ein leises Gleiten wird zu einem Rhythmus, ein Rhythmus zu einem Marsch. Die ersten Kilometer führen durch verschneite Wälder, vorbei an gefrorenen Flüssen und über weite zugefrorene Seen und offene Ebenen. Die Rentiere und die Natur schauen zu – unbeeindruckt, majestätisch. Nach 17 Km Stockbruch auf einem der zugefrorenen Seen. Kurzer Stopp und allen anderen entgegenlaufend zurück zur nächsten Verpflegungsstation bei Km 16. Meine Gruppe in der ich war auf Wiedersehen, neue Stöcker und der Lauf beginnt von vorn. Erstmal wieder reinkommen und Rhythmus finden.

    Nach 60 Kilometern beginnt die Realität zu nagen.
    Nach 110 Kilometern beginnt der Geist, eigene Wege zu gehen. Die ersten aus meiner Anfangsgruppe wieder eingeholt. Schnell Ski nachwachsen, eine Suppe mit Kartoffeln und noch irgendetwas in den Körper gehauen. Und weiter geht es.
    Und nach 160 Kilometern?
    Endlich trockene warme neue Sachen anziehen, trockene Mütze auf und Stirnlampe zurechtgerückt. Es naht die Dämmerung. Dann betritt man eine Welt, die sich nicht mehr ganz erklären lässt. Hier draußen, fernab von allem, verschwimmen Zeit und Raum. Die Spur im Schnee wird zum einzigen Ziel. Gedanken kommen und gehen wie der Wind über die Ebenen Lapplands. Jeder Schritt ist ein kleiner Sieg, jeder Atemzug ein Versprechen nicht aufzugeben. Sternklarer Himmel, Kälte zieht ins Land und endlich Polarlichter am Himmel oder doch Einbildung.  

    Kilometer 160 bis 200 – die legendäre „Zone des Wahnsinns“.
    Hier wurden Legenden geboren. Und merkwürdige Gespräche mit imaginären Begleitern geführt. Skistöcke wurden zu philosophischen Stützen, und plötzlich erschien es völlig logisch, den eigenen Skiern Namen zu geben. „Komm schon, Dieter, wir schaffen das!“ (Dieter war der linke Ski.)

    Nein zum Glück nicht, ich war nicht der einzige, der diese Erscheinung hatte. Und doch – es ist nicht nur Kampf. Es ist auch Schönheit. Das Licht des Nordens, das sich über den Himmel zieht. Die endlose Weite. Die Stille, die lauter ist als jedes Stadion. Momente, in denen man vergisst, wie weit es noch ist – und einfach nur weitergleitet.

    Die Verpflegungsstationen wirken wie Oasen in einer arktischen Wüste. Warme Getränke, ein paar Worte, ein Blick in andere erschöpfte, aber entschlossene Gesichter. Fremde werden zu Verbündeten. Jeder weiß: Hier draußen zählt nicht nur Geschwindigkeit – sondern Durchhaltevermögen.

    Die letzten Kilometer zurück nach Jokkmokk sind kein gewöhnlicher Endspurt.
    Es ist ein Heimkommen. Die Beine schwer wie Blei, die Gedanken irgendwo zwischen Erschöpfung und Euphorie, gleite ich dem Ziel entgegen. Und dann – endlich – überquere ich die Ziellinie.

    Der Zieleinlauf?
    Kein Sprint. Kein elegantes Finish.
    Es war ein triumphales, leicht wackeliges Ankommen. Arme hoch, Gesicht voller Salz, Schnee und ungläubiger Freude.

    220 Kilometer später war klar:
    Das war kein Rennen. Das war ein geiles Abenteuer.
    Ein Schneemarathon der Emotionen.
    Ein Festival des Durchhaltens.
    Und ganz sicher etwas, das man sofort wieder machen würde……nachdem man gefühlt ungefähr zwei Tage lang nicht mehr aufgestanden ist.

    Kein Jubel wie im Stadion.
    Sondern etwas Tieferes. Respekt. Erleichterung.
    Und das leise Wissen, Teil von etwas Großem geworden zu sein.Das Nordenskiöldsloppet ist nicht einfach das längste Skirennen der Welt.
    Es ist eine Geschichte aus Schnee und Wille.
    Ein Mythos, der jedes Jahr neu geschrieben wird – von Menschen, die sich trauen, 220 Kilometer lang gegen Kälte, Zweifel und sich selbst anzutreten.

    Ich war dabei!!!